Fernwartung sicher einsetzen: AnyDesk, TeamViewer und die Betrugsmasche dahinter

Von Felix Lange, Geschäftsführer, Technik
Veröffentlicht am · 9 Min. Lesezeit
Fernwartung ist sicher, wenn Sie selbst den Kontakt aufnehmen, die Sitzung ausdrücklich freigeben, jeden Schritt am Bildschirm mitverfolgen und die Verbindung danach beenden. Gefährlich wird sie, wenn ein unbekannter Anrufer oder ein Pop-up Sie drängt, AnyDesk oder TeamViewer zu installieren. Microsoft ruft nicht unaufgefordert an, um Support anzubieten, und Bankmitarbeiter fordern nie dazu auf, Software zu installieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Seriöse Fernwartung beginnt mit Ihrer Meldung oder einem vereinbarten Termin, nie mit einem unaufgeforderten Anruf.
- Microsoft ruft nicht unaufgefordert an, um technischen Support anzubieten, und echte Fehlermeldungen von Microsoft enthalten nie eine Telefonnummer.
- Betrüger nutzen dieselben Programme wie seriöse Dienstleister; entscheidend ist, wer die Sitzung angestoßen hat.
- Unbeaufsichtigter Zugriff gehört nur auf Geräte, die ihn wirklich brauchen, und dann mit starkem Passwort, zweitem Faktor und Freigabeliste.
- Nach einem Betrugsfall zählt die Reihenfolge: Verbindung trennen, Bank informieren, Passwörter von einem sauberen Gerät ändern, Gerät prüfen lassen, Anzeige erstatten.
Wie läuft eine seriöse Fernwartung ab?
Bei der Fernwartung schaltet sich ein Techniker über das Internet auf Ihren Bildschirm, sieht, was Sie sehen, und kann Maus und Tastatur bedienen. Im IT-Support ist das der Normalfall, weil sich viele Störungen so ohne Anfahrt beheben lassen. Eine seriöse Sitzung läuft immer nach demselben Muster ab:
Sie melden sich
Den Anstoß geben Sie: per Telefon, E-Mail oder Ticket bei einem Dienstleister, den Sie kennen und mit dem Sie zusammenarbeiten.
Sie starten die Sitzung
Sie öffnen das Fernwartungsprogramm und nennen dem Techniker die angezeigte Nummer oder einen Sitzungscode. Die Verbindung steht erst, wenn Sie sie am Bildschirm bestätigen.
Sie sehen alles
Jeder Mausklick des Technikers ist auf Ihrem Bildschirm sichtbar. Sie können jederzeit nachfragen oder die Sitzung abbrechen.
Sie beenden die Sitzung
Nach der Arbeit wird die Verbindung getrennt. Ein dauerhafter Zugang bleibt nur bestehen, wenn Sie ihn ausdrücklich vereinbart haben.
Sie erfahren, was gemacht wurde
Der Dienstleister hält fest, wann er verbunden war, aus welchem Anlass und was er geändert hat.
Das BSI verlangt im IT-Grundschutz-Baustein zur Fernwartung, dass die Software auf Arbeitsplätzen eine Verbindung erst nach ausdrücklicher Zustimmung der Benutzer aufbaut und jede Verbindung nach dem Zugriff getrennt wird. Führen Externe die Fernwartung durch, sollen interne Mitarbeiter die Arbeiten beobachten.
Wie funktioniert die Betrugsmasche mit AnyDesk und TeamViewer?
Betrüger nutzen genau diese Werkzeuge. Die Polizei nennt AnyDesk und TeamViewer ausdrücklich als Beispiele für Programme, über die Kriminelle Zugriff verlangen. Die Programme selbst sind nicht das Problem, sie sind bei seriösen Dienstleistern im Einsatz. Das Problem ist, wer die Sitzung anstößt. Die Maschen ähneln sich:
- Falscher Microsoft-Support am Telefon: Ein Anrufer behauptet, Ihr Rechner sei von Viren befallen oder gehackt worden, und bietet Hilfe an. Dafür sollen Sie ein Fernwartungsprogramm installieren. Microsoft selbst stellt klar, dass es niemanden unaufgefordert anruft, um Support anzubieten.
- Pop-up mit Hotline: Beim Surfen erscheint eine Warnung, die den Bildschirm scheinbar sperrt und eine Telefonnummer für den „Microsoft-Support“ nennt. Echte Fehler- und Warnmeldungen von Microsoft enthalten nie Telefonnummern.
- Falsche Bankmitarbeiter: Der Anrufer meldet seltsame Buchungen und will das Konto angeblich sichern. Die Polizei stellt klar: Bankmitarbeiter fordern niemals dazu auf, Zugangsdaten zu teilen, Software zu installieren oder Zahlungen zu leisten.
- Angebliche Paketdienste und bekannte Firmen: Die Polizei nennt auch Täter, die sich als Paketdienst mit Zustellproblemen oder Zollgebühren ausgeben oder unter dem Namen großer Unternehmen auftreten.
Hat der Täter die Verbindung, sieht er alles auf dem Bildschirm, kann Passwörter und Bankdaten ausspähen, Programme installieren und das Online-Banking bedienen. Häufig verlangt er zusätzlich Geld für die angebliche Hilfe. Die Täter arbeiten dabei mit Zeitdruck und Angst: Der Rechner sei gesperrt, das Konto in Gefahr, jede Minute zähle. Wer so unter Druck steht, handelt schneller, als er nachdenkt. Deshalb hilft eine feste Regel, die man im entscheidenden Moment nicht abwägen muss.
Die wichtigste Regel
Geben Sie niemals jemandem Zugriff auf Ihren Rechner, der sich unaufgefordert bei Ihnen gemeldet hat — ganz gleich, ob er sich als Microsoft, Bank, Paketdienst oder IT-Dienstleister ausgibt. Legen Sie auf und rufen Sie selbst unter der Nummer an, die Sie aus Ihren eigenen Unterlagen kennen.
Welche Regeln sollten im Betrieb für Fernwartung gelten?
Damit Mitarbeiter unter Druck richtig reagieren, braucht es wenige, klare Regeln, die jeder kennt. Das BSI empfiehlt, Musterabläufe für die Fernwartung zu erstellen und im Betrieb zu kommunizieren:
- Ein bekannter Dienstleister: Alle wissen, welcher Dienstleister Fernwartung macht und mit welchem Programm. Jeder andere Anrufer bekommt keinen Zugriff.
- Rückruf statt Diskussion: Bei Zweifeln wird aufgelegt und der Dienstleister unter der bekannten Nummer zurückgerufen.
- Keine Installation auf Zuruf: Fernwartungssoftware installiert nur, wer dafür zuständig ist. Das BSI verlangt, dass sie nur auf Systemen installiert ist, auf denen sie gebraucht wird.
- Aktuelle Versionen: Das Fernwartungsprogramm wird wie jede andere Software aktualisiert, denn auch alte Versionen solcher Programme können Sicherheitslücken enthalten.
- Melden ohne Vorwurf: Wer auf einen Betrüger hereingefallen ist, meldet es sofort. Wer Vorwürfe fürchtet, meldet später, und jede Verzögerung hilft dem Täter.
Für den Zugriff Ihrer Mitarbeiter von unterwegs ins Firmennetz gelten andere Regeln als für die Fernwartung durch einen Dienstleister. Sie stehen im Ratgeber Reicht die Fritzbox? im Abschnitt zum Fernzugriff.
Wann ist unbeaufsichtigter Zugriff vertretbar?
Unbeaufsichtigter Zugriff heißt: Der Dienstleister kann sich verbinden, ohne dass jemand vor dem Rechner sitzt und zustimmt. Das ist praktisch für Server oder Wartungsarbeiten in der Nacht, hebelt aber die wichtigste Schutzregel aus, die Zustimmung am Bildschirm. Wenn Sie ihn einrichten, dann nur so:
- Nur wo nötig: auf Servern und Geräten, die ohne Benutzer laufen, nicht pauschal auf allen Arbeitsplätzen.
- Starkes, eigenes Passwort: kein Kennwort, das anderswo verwendet wird, abgelegt im Passwort-Tresor.
- Zweiter Faktor: AnyDesk bietet eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für den unbeaufsichtigten Zugriff, TeamViewer eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für Verbindungen, bei der jeder Zugriff per Push-Nachricht bestätigt wird. Auch das BSI empfiehlt Mehr-Faktor-Verfahren für die Fernwartung.
- Freigabeliste: Beide Programme können eingehende Verbindungen auf freigegebene Konten oder Geräte beschränken, AnyDesk über die Access Control List, TeamViewer über die Block- und Allowlist.
- Dokumentiert: Welche dauerhaften Zugänge es gibt und ob sie aktiv sind, steht in der Dokumentation. Das sieht auch das BSI vor.
Beim Wechsel des Dienstleisters oder beim Austritt eines Mitarbeiters werden solche Zugänge sofort entfernt. Dieselben Grundsätze gelten für die Konten in Microsoft 365; die wichtigsten Einstellungen dort beschreibt der Ratgeber Microsoft 365 absichern.
Der AnyDesk-Sicherheitsvorfall 2024
Auch die Hersteller von Fernwartungssoftware sind Angriffsziele. Anfang Februar 2024 bestätigte AnyDesk einen Einbruch in eigene Produktionssysteme, wie heise online berichtete. Das Unternehmen widerrief daraufhin seine sicherheitsrelevanten Zertifikate, kündigte ein neues Zertifikat für die Signatur seiner Software an und setzte die Passwörter für sein Webportal zurück. Hinweise auf betroffene Geräte von Endkunden gab es nach Angaben des Unternehmens nicht. Für Betriebe folgt daraus zweierlei: Fernwartungsprogramme gehören auf den aktuellen Stand, und Passwörter für solche Dienste dürfen nirgendwo sonst verwendet werden.
Was tun, wenn Betrüger Zugriff auf einen Rechner hatten?
Hat ein Mitarbeiter einem Betrüger Zugriff gegeben, zählt die Reihenfolge. Die Polizei rät, das Gerät vom Internet zu trennen und sachkundige Hilfe zu holen. Microsoft nennt unter anderem das Zurücksetzen des Geräts, neue Kennwörter und eine Meldung an die Polizei. Für einen Betrieb ergeben sich daraus diese Schritte:
Verbindung trennen
Netzwerkkabel ziehen oder WLAN ausschalten, damit der Rechner keine Verbindung ins Internet mehr hat. Das Fernwartungsprogramm beenden.
Bank informieren
Wurde Online-Banking genutzt oder wurden Bank- oder Kartendaten genannt, rufen Sie sofort Ihre Bank an, lassen Zugänge sperren und Zahlungen prüfen.
Passwörter von einem sauberen Gerät ändern
Ändern Sie die Passwörter für E-Mail, Online-Banking, Microsoft 365 und alle Dienste, die auf dem Rechner genutzt wurden, und zwar von einem anderen, sicheren Gerät aus.
Gerät prüfen oder neu aufsetzen
Lassen Sie den Rechner von Fachleuten prüfen. Weil niemand weiß, was der Täter installiert hat, ist das Neuaufsetzen oft der sicherere Weg.
Anzeige erstatten
Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Heben Sie Telefonnummern, Uhrzeiten, Nachrichten und Überweisungsbelege auf.
Waren während der Sitzung Konten von Microsoft 365 geöffnet, reicht ein neues Passwort allein nicht: Lassen Sie alle aktiven Anmeldungen beenden und prüfen, ob im Postfach Weiterleitungsregeln oder im Konto neue Anmeldemethoden hinzugekommen sind. Im Betrieb gehört außerdem der IT-Dienstleister sofort informiert: Hatte der Täter Zugriff auf einen Rechner im Firmennetz, kann er von dort weitere Systeme erreicht haben. Was bei einem größeren Angriff in den ersten Stunden zu tun ist, beschreibt der Ransomware-Notfallplan.
Passende Leistung
IT-Support
Wir helfen per Fernwartung mit AnyDesk oder TeamViewer, nur nach Ihrer Freigabe und mit Protokoll jeder Sitzung. Wenn Fernwartung nicht reicht, kommen wir vor Ort.
Wir antworten innerhalb von 24 Stunden — 7 Tage die Woche, auch an Feiertagen.
Quellen und Stand
- Polizeiliche Kriminalprävention — Fake-Kundenservice (Support Scams)
- Microsoft Support — Schützen Sie sich vor Betrugsversuchen im Zusammenhang mit dem technischen Support
- BSI — IT-Grundschutz-Baustein OPS.1.2.5 Fernwartung (Edition 2023)
- AnyDesk — Sicherheitstipps und Offboarding
- TeamViewer — How to keep unattended access secure
Stand der Angaben: . Preise, Fristen und Programme ändern sich; maßgeblich ist jeweils die verlinkte Quelle. Der Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Über den Autor
Felix Lange
Mitgründer und Geschäftsführer, Technik, Rentavo-Services
Verantwortlich für Architektur, Entwicklung und Qualitätssicherung. Baut die Systeme, die wir bei unseren Kunden betreiben — und betreibt sie auch selbst.
- ISTQB Certified Tester, Foundation Level 4.0
- Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung
- Studium Wirtschaftsingenieurwesen
Häufige Fragen
Die Kurzfassung zu den Fragen, die an dieser Stelle am häufigsten gestellt werden.
Sind AnyDesk und TeamViewer an sich gefährlich?
Nein. Beide Programme werden von seriösen Dienstleistern eingesetzt und bieten Schutzfunktionen wie Zustimmung am Bildschirm, zweiten Faktor und Freigabelisten. Gefährlich wird es, wenn ein Fremder die Sitzung anstößt, denn das Programm kann nicht unterscheiden, ob am anderen Ende ein Techniker oder ein Betrüger sitzt. Entscheidend ist deshalb die Regel, wer eine Sitzung beginnen darf, nicht die Wahl des Programms.
Woran erkenne ich einen echten Anruf meines IT-Dienstleisters?
Daran, dass Sie ihn erwartet haben oder ihn selbst zurückrufen können. Ein seriöser Dienstleister meldet sich zu einer Störung, die Sie gemeldet haben, oder zu einem vereinbarten Termin. Kommt ein unerwarteter Anruf mit Zeitdruck, legen Sie auf und rufen unter der Nummer zurück, die in Ihrem Vertrag oder Ihrer Dokumentation steht, nicht unter der, die der Anrufer nennt.
Muss die Fernwartungssoftware dauerhaft installiert bleiben?
Nicht unbedingt. Für gelegentliche Hilfe reicht eine Variante, die nur während der Sitzung läuft. Dauerhaft installiert sollte sie nur dort sein, wo sie regelmäßig gebraucht wird, etwa auf Servern mit festen Wartungsfenstern. Wird ein PC ersetzt oder der Dienstleister gewechselt, gehört die Fernwartungssoftware auf die Liste der Programme, die entfernt oder neu eingerichtet werden.
Sollten wir unsere Mitarbeiter zu Betrugsanrufen schulen?
Ja, kurz und konkret. Eine knappe Einweisung reicht, um die drei wichtigsten Regeln zu erklären: niemandem Unbekanntem Zugriff geben, bei Zweifeln auflegen und zurückrufen, einen Vorfall sofort melden. Hilfreich ist ein Aushang mit der Telefonnummer des eigenen Dienstleisters. Neue Mitarbeiter und Aushilfen sollten die Regeln am ersten Tag erfahren, denn gerade sie kennen den echten Dienstleister noch nicht.
Welche Verträge braucht es für Fernwartung durch einen Dienstleister?
Das BSI verlangt, mit externem Wartungspersonal vertragliche Regelungen über die Sicherheit der betroffenen Systeme und Informationen zu treffen; darin sollen auch die Pflichten und Kompetenzen des Dienstleisters festgehalten sein. Ob zusätzlich ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Artikel 28 DSGVO nötig ist, hängt davon ab, ob der Dienstleister dabei auf personenbezogene Daten zugreifen kann. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung; im Einzelfall klärt das Ihre Datenschutzbeauftragte oder Ihr Datenschutzbeauftragter.
