Telefonanlage ersetzen: Cloud-Telefonie für Betriebe im Vergleich

Von Felix Lange, Geschäftsführer, Technik
Veröffentlicht am · 10 Min. Lesezeit
Eine alte Telefonanlage ersetzen Betriebe heute durch eine von drei Varianten: eine Cloud-Telefonanlage beim Anbieter, einen SIP-Trunk mit eigener Anlage oder Telefonie über Microsoft Teams. Für kleine Betriebe ohne eigene Server ist die Cloud-Telefonanlage meist die einfachste Wahl. Die Rufnummern lassen sich mitnehmen; entscheidend sind Endgeräte, ein Plan für den Ausfall der Internetleitung und ein sauber vorbereiteter Umschalttag.
Das Wichtigste in Kürze
- Festnetztelefonie läuft heute weitgehend über das Internetprotokoll; die Deutsche Telekom hatte nach eigenen Angaben schon im März 2020 rund 99 Prozent ihrer Kunden auf IP umgestellt.
- Die Rufnummer können Sie beim Anbieterwechsel nach § 59 TKG mitnehmen, und der Dienst darf dabei höchstens einen Arbeitstag unterbrochen sein.
- Eine Cloud-Telefonanlage braucht im Betrieb nur Telefone, Apps und einen Router; eine eigene Anlage mit SIP-Trunk lohnt sich bei besonderen Anforderungen.
- Telefonie über Microsoft Teams braucht je Nutzer eine Teams-Phone-Lizenz und zusätzlich eine Anbindung ans öffentliche Telefonnetz.
- Ohne Internetleitung gibt es im Büro kein Festnetz — legen Sie vor der Umstellung fest, wohin Anrufe bei einem Ausfall umgeleitet werden.
Warum muss die alte Telefonanlage überhaupt ersetzt werden?
Festnetztelefonie läuft heute weitgehend über das Internetprotokoll: Gespräche werden als Datenverkehr über dieselbe Leitung übertragen wie E-Mails und Webseiten. Die Deutsche Telekom hatte nach eigenen Angaben schon im März 2020 rund 25 Millionen Kunden und damit 99 Prozent auf die neue IP-Plattform umgestellt; die restlichen Anschlüsse sollten im Laufe des Jahres folgen. Eine neue Telefonanlage sollte deshalb von vornherein für einen IP-Anschluss geplant werden.
In manchen Betrieben steht trotzdem noch eine ältere ISDN-Anlage, die über einen Adapter oder den Router am IP-Anschluss hängt. Das funktioniert, solange es funktioniert. Die Probleme kommen mit dem Alter: Ersatzteile werden knapp, der Techniker, der die Anlage einmal programmiert hat, ist nicht mehr erreichbar, und jede Änderung an Rufgruppen oder Ansagen wird zum Auftrag. Spätestens bei einem Defekt oder einem Umzug stellt sich die Frage nach dem Ersatz.
Für den Ersatz gibt es drei Varianten. Welche passt, hängt weniger an der Technik als an zwei Fragen: Wer pflegt die Anlage künftig, und wie viel davon soll im eigenen Haus stehen?
Welche Varianten gibt es, eine Telefonanlage zu ersetzen?
Cloud-Telefonanlage
Die Telefonanlage läuft im Rechenzentrum des Anbieters. Im Betrieb stehen nur noch Telefone, die per Netzwerkkabel oder WLAN angebunden sind, dazu kommen Apps für Smartphone und Rechner. Rufgruppen, Ansagen und Weiterleitungen werden im Webportal des Anbieters eingestellt. Anbieter in Deutschland sind zum Beispiel easybell, NFON, Placetel, sipgate und die Telekom. Üblich ist ein Monatspreis je Nutzer oder Nebenstelle; ob Gespräche enthalten sind, hängt am Tarif.
SIP-Trunk mit eigener Anlage
Ein SIP-Trunk ist ein Telefonanschluss über das Internet, der mehrere Rufnummern und gleichzeitige Gespräche an eine eigene Telefonanlage liefert. Die Anlage steht im Betrieb oder läuft als Software auf einem Server — Beispiele sind Anlagen des Herstellers Auerswald oder die Software 3CX. Diese Variante passt, wenn eine vorhandene, IP-fähige Anlage in gutem Zustand weiterlaufen soll, wenn viele Sonderfunktionen wie Türsprechstellen eingebunden sind oder wenn der Betrieb die Anlage bewusst selbst verwalten will. Dafür braucht es jemanden, der sie wartet und aktualisiert.
Telefonie über Microsoft Teams
Wer ohnehin mit Microsoft Teams arbeitet, kann auch darüber telefonieren. Dafür braucht jeder telefonierende Nutzer eine Lizenz für Teams Phone, die zu den Business-Plänen von Microsoft 365 hinzugebucht wird, und eine Anbindung ans öffentliche Telefonnetz. Die gibt es als Anrufplan von Microsoft, über einen Netzbetreiber im Programm Operator Connect oder per Direct Routing über einen Session Border Controller — ein Gerät oder Dienst, das Teams mit einem beliebigen Telefonanbieter verbindet.
Cloud-Telefonanlage, SIP-Trunk oder Teams: Wie unterscheiden sie sich?
Die drei Varianten unterscheiden sich vor allem im Betrieb: wer die Anlage pflegt, was bei einem Ausfall passiert und wie abgerechnet wird. Die Tabelle stellt die Kriterien nebeneinander, auf die es in kleinen Betrieben ankommt:
| Kriterium | Cloud-Telefonanlage | SIP-Trunk mit eigener Anlage | Microsoft Teams |
|---|---|---|---|
| Rufnummernmitnahme | ja, Portierung zum Cloud-Anbieter | ja, Portierung zum SIP-Trunk-Anbieter | ja, Portierung zu Microsoft oder zum Netzbetreiber der Anbindung |
| Endgeräte und Apps | IP-Telefone, Apps für Smartphone und Rechner | Telefone passend zur Anlage, Apps je nach Hersteller | Teams-App auf Rechner und Smartphone, zertifizierte Teams-Telefone |
| Integration | je nach Anbieter mit Microsoft 365, CRM oder Branchensoftware | sehr flexibel, aber mit Einrichtungsaufwand | eng verbunden mit Chat, Kalender und Besprechungen in Microsoft 365 |
| Fax | je nach Anbieter, oft als Fax per E-Mail oder Portal | über Fax-Adapter oder Fax-Server, am IP-Anschluss teils nur mit angepassten Einstellungen zuverlässig | Lösung vorab mit dem Anbieter der Anbindung klären |
| Notruf | Standortadresse beim Anbieter hinterlegen und prüfen | Standortadresse beim SIP-Trunk-Anbieter hinterlegen und prüfen | Notrufadressen in Teams oder beim Netzbetreiber hinterlegen |
| Ausfall der Internetleitung | Anlage läuft weiter, Umleitung aufs Handy, Apps telefonieren über Mobilfunk | Anlage im Haus ist nicht erreichbar, Umleitung beim Trunk-Anbieter vorbereiten | Teams-App auf dem Smartphone telefoniert über Mobilfunk weiter |
| Serverstandort und Datenschutz | beim Anbieter erfragen, Vertrag zur Auftragsverarbeitung nötig | Anlage im eigenen Haus, Gespräche laufen über den Trunk-Anbieter | Rechenzentren und Vertragsbedingungen von Microsoft |
| Kostenmodell | Monatspreis je Nutzer oder Nebenstelle, Gespräche je nach Tarif | Anlage kaufen oder mieten, dazu Trunk-Gebühr und Wartung | Teams-Phone-Lizenz je Nutzer plus Anrufplan oder Anbindung |
| Pflege | im Webportal des Anbieters, ohne eigene Technik | durch eigenen Techniker oder Dienstleister | im Teams Admin Center, erfordert Kenntnisse in Microsoft 365 |
Preise nennen wir hier bewusst nicht. Sie hängen an Nutzerzahl, Tarif und Vertragslaufzeit und ändern sich. Vergleichen Sie Angebote auf Basis derselben Annahmen — Zahl der Nutzer, Rufnummernblock, Gesprächsvolumen, Endgeräte — und rechnen Sie Einrichtung und Telefone mit ein.
Welche Variante passt zu welchem Betrieb?
In Betrieben ohne eigenen Server und ohne eigene IT-Abteilung ist die Cloud-Telefonanlage meist die naheliegende Wahl: keine Technik im Haus außer Telefonen und Router, Änderungen ohne Termin vor Ort, Apps für alle, die unterwegs sind. Die anderen Varianten haben in bestimmten Fällen ihre Berechtigung:
- Cloud-Telefonanlage: kein eigener Server, mehrere Standorte oder Homeoffice, Mitarbeiter viel unterwegs. In Handwerksbetrieben mit Monteuren zählt vor allem die App auf dem Diensthandy — mehr dazu im Ratgeber IT für Handwerksbetriebe.
- SIP-Trunk mit eigener Anlage: eine vorhandene, IP-fähige Anlage in gutem Zustand, viele Sonderfunktionen, Technik bewusst im eigenen Haus.
- Microsoft Teams: Das Team arbeitet ohnehin täglich in Teams, und die Telefonie soll dort mitlaufen.
Offen gesagt: Wir sind Partner von sipgate und richten Cloud-Telefonie deshalb in der Regel über sipgate ein. Das heißt nicht, dass sipgate für jeden Betrieb die beste Wahl ist. Wenn Sie eine gut laufende Anlage haben, konsequent mit Teams arbeiten oder eine Funktion brauchen, die ein anderer Anbieter besser löst, sagen wir das. Die Kriterien aus der Tabelle gelten für jeden Anbieter gleich, auch für sipgate. Einrichtung und laufende Pflege übernehmen wir im Rahmen der IT-Betreuung.
Wie läuft die Umstellung auf Cloud-Telefonie ab?
Bestandsaufnahme
Welche Rufnummern gibt es, einschließlich Durchwahlen und Faxnummern? Wer ist Vertragspartner beim bisherigen Anbieter, und wann endet der Vertrag? Welche Rufgruppen, Ansagen und Weiterleitungen sind eingestellt, und welche Geräte hängen an der Anlage — auch Türsprechstelle, Aufzugnotruf oder Alarmanlage?
Portierung beauftragen
Den Wechsel und die Rufnummernmitnahme leitet nach § 59 TKG der neue Anbieter. Die Nummer wird am vereinbarten Tag, spätestens am folgenden Arbeitstag aktiviert, und der Dienst darf beim Wechsel nicht länger als einen Arbeitstag unterbrochen sein. Achten Sie darauf, dass Anschlussinhaber, Adresse und Rufnummern im Auftrag genau zum alten Vertrag passen; Abweichungen können die Portierung verzögern.
Endgeräte beschaffen und einrichten
IP-Telefone, Headsets, Apps. Prüfen Sie, ob das Netzwerk trägt: Telefone brauchen Strom über das Netzwerkkabel (PoE) oder ein Netzteil, und im WLAN braucht es gute Abdeckung. Gäste gehören in ein eigenes Netz, wie im Ratgeber zum Gäste-WLAN im Betrieb beschrieben.
Rufgruppen und Warteschleifen einrichten
Wer nimmt ab, wenn die Zentrale besetzt ist? Was hört ein Anrufer außerhalb der Öffnungszeiten? Legen Sie Rufgruppen, Ansagen, Warteschleifen und Weiterleitungen fest, bevor die Nummern umziehen, und schreiben Sie auf, was wo eingestellt ist.
Testen
Mit einer vorläufigen Rufnummer des neuen Anbieters: ein- und ausgehende Anrufe, Rufgruppen, Weiterleitung aufs Handy, Fax und die hinterlegte Notrufadresse. Dazu ein Test, was passiert, wenn die Internetleitung weg ist.
Umschaltung
Am Portierungstag schaltet der alte Anbieter die Nummern ab und der neue auf. Legen Sie den Tag außerhalb der Hauptgeschäftszeit und halten Sie die alte Anlage bis zur erfolgreichen Umschaltung betriebsbereit. Die Bundesnetzagentur rät, möglichst den neuen Anbieter mit der Kündigung des alten Vertrags zu beauftragen, statt selbst zu kündigen.
Notruf und Stromausfall
IP-Telefone und Router im Büro funktionieren nur mit Strom und Internet. Fallen sie aus, geht auch kein Notruf über das Festnetz. Legen Sie fest, wie im Ernstfall telefoniert wird — in der Regel über Mobiltelefone — und prüfen Sie, dass für jeden Standort die richtige Adresse für Notrufe hinterlegt ist.
Was passiert bei einem Ausfall der Internetleitung?
Bei allen drei Varianten gilt: Ohne Internetleitung gibt es im Büro kein Festnetz. Der Unterschied liegt darin, ob Anrufe trotzdem ankommen. Eine Cloud-Telefonanlage läuft im Rechenzentrum weiter; je nach Anbieter und Einstellung landen Anrufer in einer Ansage, auf der Mailbox oder auf Mobiltelefonen. Mitarbeiter mit der App auf dem Smartphone telefonieren über Mobilfunk weiter. Eine eigene Anlage im Haus ist zusammen mit der Leitung nicht erreichbar; eine Umleitung muss vorher beim SIP-Trunk-Anbieter eingerichtet sein.
Wie viel Absicherung sinnvoll ist, hängt am Betrieb. Für ein Büro, das vor allem Anrufe annimmt, reicht oft eine vorbereitete Umleitung aufs Handy. Wer ohne Telefon und Internet gar nicht arbeiten kann, sollte über einen zweiten Zugang nachdenken, etwa einen Mobilfunk-Router als Ersatzleitung. Ob Telefonanlage, Dateien und Anwendungen im Haus oder beim Anbieter besser aufgehoben sind, ist dieselbe Abwägung wie beim Server — sie steht im Ratgeber Server im Büro oder Cloud?.
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Quellen und Stand
- Bundesministerium der Justiz — § 59 Telekommunikationsgesetz (Anbieterwechsel und Rufnummernmitnahme)
- Bundesnetzagentur — Anbieterwechsel und Umzug
- Deutsche Telekom — Fünf Fakten zur IP-Umstellung
- Microsoft Learn — PSTN connectivity options for Microsoft Teams
- Microsoft Learn — Microsoft Teams add-on licenses
Stand der Angaben: . Preise, Fristen und Programme ändern sich; maßgeblich ist jeweils die verlinkte Quelle. Der Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Über den Autor
Felix Lange
Mitgründer und Geschäftsführer, Technik, Rentavo-Services
Verantwortlich für Architektur, Entwicklung und Qualitätssicherung. Baut die Systeme, die wir bei unseren Kunden betreiben — und betreibt sie auch selbst.
- ISTQB Certified Tester, Foundation Level 4.0
- Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung
- Studium Wirtschaftsingenieurwesen
Häufige Fragen
Die Kurzfassung zu den Fragen, die an dieser Stelle am häufigsten gestellt werden.
Kann ich meine bisherige Rufnummer behalten?
Ja. Nach § 59 TKG können Sie Ihre Rufnummer beim Anbieterwechsel mitnehmen; bei Ortsnetznummern gilt das für den Standort, an dem sie genutzt werden. Die Aktivierung beim neuen Anbieter muss am vereinbarten Tag, spätestens am folgenden Arbeitstag erfolgen. Beantragen können Sie die Mitnahme bis einen Monat nach Vertragsende. Wichtig ist, dass die Angaben im Portierungsauftrag genau zum alten Vertrag passen.
Funktioniert ein Faxgerät mit Cloud-Telefonie?
Meist ja, aber Fax über eine IP-Leitung braucht manchmal angepasste Einstellungen; die Telekom rät etwa, die Übertragungsgeschwindigkeit am Faxgerät bei Problemen schrittweise zu senken. Cloud-Anbieter bieten Fax häufig als Dienst an, bei dem Faxe als PDF per E-Mail ankommen und über ein Portal verschickt werden. Prüfen Sie vor der Umstellung, wer im Betrieb überhaupt noch Faxe schickt oder bekommt.
Brauche ich neue Telefone?
Meist ja, wenn bisher ISDN- oder analoge Telefone an einer eigenen Anlage hängen. Für eine Cloud-Telefonanlage brauchen Sie IP-Telefone, die der Anbieter unterstützt, oder Sie telefonieren über Apps am Rechner und Smartphone mit Headset. Vorhandene IP-Telefone lassen sich teilweise weiterverwenden; das hängt am Modell und am Anbieter.
Was kostet Cloud-Telefonie für einen Betrieb?
Üblich ist ein Monatspreis je Nutzer oder Nebenstelle, dazu je nach Tarif Gesprächskosten, Rufnummernblöcke und Endgeräte. Feste Preise nennen wir nicht, weil sie sich je Anbieter und Tarif unterscheiden und ändern. Vergleichen Sie Angebote für dieselbe Nutzerzahl, dieselben Rufnummern und dasselbe Gesprächsvolumen, und rechnen Sie Einrichtung und Telefone mit ein.
Ist Telefonie über Microsoft Teams für kleine Betriebe sinnvoll?
Wenn das Team ohnehin täglich in Teams arbeitet, kann das eine gute Lösung sein: ein Programm für Chat, Besprechungen und Telefon. Sie brauchen dafür je Nutzer eine Teams-Phone-Lizenz und eine Anbindung ans Telefonnetz. In Betrieben, in denen viele Mitarbeiter Teams kaum nutzen, ist eine eigenständige Cloud-Telefonanlage meist einfacher.
Wie lange dauert die Umstellung auf Cloud-Telefonie?
Den Zeitplan bestimmen vor allem die Vertragslaufzeit und die Portierung beim alten Anbieter. Die technische Einrichtung einer Cloud-Telefonanlage für einen kleinen Betrieb ist überschaubar; mehr Zeit kosten Bestandsaufnahme, Rufgruppen und Tests. Planen Sie den Umschalttag so, dass die alte Lösung bis zur erfolgreichen Portierung weiterläuft.
