IT-Checkliste für neue und ausscheidende Mitarbeiter

Von Felix Lange, Geschäftsführer, Technik
Veröffentlicht am · 10 Min. Lesezeit
Für neue Mitarbeiter richtet die IT vor dem ersten Tag Konto, Lizenz, Gerät und Rechte nach Rolle ein; am ersten Tag folgen MFA, Passwortmanager und eine Sicherheitseinweisung. Beim Austritt wird das Konto am letzten Tag gesperrt; danach werden Sitzungen widerrufen, MFA-Methoden entfernt, Postfach und Dateien übergeben, Geräte zurückgesetzt und gemeinsam genutzte Passwörter geändert.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Mitarbeiter sollten am ersten Tag ein fertiges Gerät, ein eigenes Konto mit MFA und Rechte nach ihrer Rolle haben — keine geliehenen Zugänge.
- Beim Austritt wird das Konto am letzten Arbeitstag gesperrt und nicht sofort gelöscht, damit Postfach und Dateien geordnet übergeben werden können.
- Ein freigegebenes Postfach braucht laut Microsoft bis 50 GB keine Lizenz; das alte Benutzerkonto muss dafür aber bestehen bleiben.
- Ob der Betrieb auf das Postfach eines ausgeschiedenen Mitarbeiters zugreifen darf, hängt auch davon ab, ob private Nutzung erlaubt war — das gehört vorher schriftlich geregelt.
- Das BSI verlangt geregelte Verfahren für Einarbeitung und Weggang, einschließlich der Rückgabe von Geräten, Schlüsseln und Ausweisen.
Warum brauchen Ein- und Austritte eine IT-Checkliste?
Ein- und Austritte sind in einem kleinen Betrieb selten genug, dass niemand die Handgriffe auswendig kennt, und häufig genug, dass Fehler sich summieren. Beim Eintritt heißt das: Der neue Kollege sitzt am ersten Tag vor einem Rechner ohne Konto und arbeitet mit dem Zugang eines anderen. Beim Austritt bleibt das Postfach offen, das Firmenhandy liegt in einer Schublade, und das Passwort für das Lieferantenportal kennt die ausgeschiedene Kollegin noch immer.
Das BSI verlangt deshalb im IT-Grundschutz geregelte Verfahren für beide Fälle. Neue Mitarbeitende müssen eingearbeitet und über bestehende Regelungen informiert werden; eine Checkliste und ein fester Ansprechpartner, im Baustein „Pate“ genannt, sollten dafür etabliert werden. Beim Weggang müssen Unterlagen, Schlüssel, Geräte, Ausweise und Zutrittsberechtigungen eingezogen werden, und für die dabei anfallenden Aufgaben soll ebenfalls eine Checkliste existieren. Der zugehörige Baustein zum Identitäts- und Berechtigungsmanagement ergänzt: Berechtigungen nur nach tatsächlichem Bedarf, und nicht mehr benötigte Kennungen müssen bei personellen Veränderungen entfernt werden.
Welcher Schritt kommt wann?
| Zeitpunkt | Was die IT erledigt | Wer es anstößt |
|---|---|---|
| Vor dem ersten Tag | Konto und Lizenz anlegen, Gerät nach Standard vorbereiten, Rechte nach Rolle vergeben, Nebenstelle einrichten | Personalabteilung oder Geschäftsführung, sobald der Vertrag unterschrieben ist |
| Erster Tag | Anmeldung und MFA-Registrierung am Arbeitsplatz, Passwortmanager einrichten, E-Mail-Signatur, Sicherheitseinweisung | Vorgesetzte und IT |
| Erste Woche | Fehlende Zugänge nachtragen, Drittportale einrichten, Rechte mit der tatsächlichen Arbeit abgleichen | Vorgesetzte |
| Nach der Kündigung | Übergabe planen: Dokumentation, Zugänge, Regel für das Postfach, Ablage der Dateien; Datum der Sperre festlegen | Personalabteilung meldet, Vorgesetzte planen die Übergabe |
| Letzter Arbeitstag | Konto sperren, Sitzungen widerrufen, MFA-Methoden entfernen, Geräte, Schlüssel und Ausweise zurücknehmen | IT und Vorgesetzte |
| Danach | Postfach umwandeln oder weiterleiten, Dateien übergeben, Lizenz freigeben, gemeinsame Passwörter und Drittportale ändern, Geräte zurücksetzen, Konto später löschen | IT |
Bei Freistellung oder fristloser Kündigung sofort sperren
Endet das Arbeitsverhältnis im Streit oder wird jemand freigestellt, gehört die Sperre des Kontos in dieselbe Stunde wie das Gespräch — nicht an den letzten Arbeitstag. Stimmen Sie den Zeitpunkt vorher mit der Geschäftsführung ab.
Was gehört auf die Checkliste für neue Mitarbeiter?
- Konto nach Rolle: Benutzername nach festem Schema, Gruppen und Verteiler nach Abteilung, Vorgesetzte im Benutzerprofil eintragen. Der Eintrag hilft später beim Austritt: Microsoft gibt dem eingetragenen Vorgesetzten nach dem Löschen eines Kontos standardmäßig Zugriff auf dessen OneDrive.
- Lizenz: den Plan, den die Rolle braucht, nicht automatisch den teuersten. Welcher das ist, steht im Ratgeber Microsoft 365 Business Basic, Standard oder Premium.
- MFA: Die Registrierung des zweiten Faktors gehört in den ersten Tag, am besten gemeinsam am Arbeitsplatz. Warum das für alle Konten gilt, erklärt der Ratgeber Microsoft 365 absichern.
- Gerät nach Standard: Laptop oder PC mit aktuellem Betriebssystem, Verschlüsselung, Virenschutz, Fernwartungswerkzeug und den Programmen der Rolle. Ein fester Standard spart Zeit und macht Geräte austauschbar.
- Rechte nach Rolle: Zugriff auf Laufwerke, Ordner und Fachanwendungen nach dem Bedarf der Aufgabe. Kopieren Sie nicht einfach die Rechte eines Kollegen — der hat oft mehr, als die neue Rolle braucht.
- Passwortmanager: Konto im Firmen-Tresor anlegen und die Sammlungen der Abteilung freigeben. Gemeinsame Zugänge gibt es nur über den Tresor. Mehr dazu im Ratgeber Passwortmanager im Unternehmen.
- Telefon: Nebenstelle einrichten, Name im Telefonbuch hinterlegen, Durchwahl in Signatur und Verteiler aufnehmen.
- E-Mail-Signatur: einheitlich mit Name, Funktion, Durchwahl und den Angaben, die in allen Signaturen des Betriebs stehen.
- Sicherheitseinweisung: Phishing erkennen, Umgang mit Passwörtern und MFA, und wen man bei einem Verdacht sofort anruft. Das BSI verlangt, neue Mitarbeitende über bestehende Regelungen zu informieren.
- Drittportale: Zugänge zu Lieferanten-, Hersteller- oder Behördenportalen, die die Rolle braucht — mit persönlichem Konto, wo der Anbieter das zulässt, und dokumentiert im Tresor.
Was gehört auf die Checkliste für ausscheidende Mitarbeiter?
- Konto am letzten Arbeitstag sperren: Anmeldung blockieren, nicht löschen. Im Microsoft Entra Admin Center unter Entra ID > Benutzer > Alle Benutzer beim Benutzer unter Kontostatus auf Bearbeiten gehen, Konto aktiviert abwählen und speichern.
- Sitzungen widerrufen: Auf der Übersichtsseite des Benutzers Sitzungen widerrufen wählen. Sonst bleiben bereits angemeldete Apps und Browser eine Zeit lang verbunden.
- MFA-Methoden entfernen: Authentifizierungsadministratoren können eine erneute MFA-Registrierung anfordern und vorhandene App-Kennwörter löschen. Das private Smartphone ist dann kein zweiter Faktor mehr für das Firmenkonto.
- Postfach: in ein freigegebenes Postfach umwandeln oder eine Weiterleitung einrichten. Was dabei zu beachten ist, steht im nächsten Abschnitt.
- Daten übergeben: Dateien aus dem OneDrive an die Nachfolge oder in eine gemeinsame Ablage übertragen, bevor das Konto gelöscht wird.
- Lizenz freigeben: erst nach der Umwandlung des Postfachs und der Übergabe der Daten.
- Geräte zurücknehmen und zurücksetzen: Laptop, Smartphone, Token, Schlüssel und Ausweise einsammeln und vor der Weitergabe vollständig zurücksetzen. Firmendaten auf Mobilgeräten lassen sich auch aus der Ferne entfernen.
- Gemeinsam genutzte Passwörter ändern: alles, was die Person kannte, etwa WLAN, Router, gemeinsame Postfächer und Lieferantenportale.
- Drittportale: persönliche Konten bei Lieferanten, Herstellern und Behörden schließen oder auf die Nachfolge übertragen lassen.
- Telefon: Nebenstelle umleiten oder neu vergeben.
- Abschlussgespräch: Hinweis auf bestehende Verschwiegenheitspflichten; auch das steht im BSI-Baustein zum Personal.
Geht ausgerechnet die Person, die die IT betreut hat, reicht diese Liste nicht. Dann müssen zusätzlich alle Administratorzugänge, Fernwartungszugänge und Dienstkonten übernommen werden; dafür gibt es den Notfallplan beim Weggang des IT-Administrators.
Was passiert mit Postfach und Dateien nach dem Austritt?
Für das Postfach beschreibt Microsoft zwei Wege:
- Umwandlung in ein freigegebenes Postfach: Alle vorhandenen E-Mails und Kalendereinträge bleiben erhalten, und mehrere Personen können darauf zugreifen. Solange das Postfach kleiner als 50 GB ist, braucht es keine Lizenz. Umwandeln lässt es sich nur, solange dem Konto noch eine Lizenz zugewiesen ist. Das alte Benutzerkonto darf danach nicht gelöscht werden, weil es das freigegebene Postfach verankert.
- Weiterleitung: Nur neue E-Mails an die alte Adresse gehen an eine Kollegin oder einen Kollegen; ältere E-Mails bleiben, wo sie sind.
Beides berührt den Datenschutz, und es kommt darauf an, ob die private Nutzung des dienstlichen Postfachs erlaubt oder geduldet war. Die Datenschutzaufsichtsbehörden haben dazu im Januar 2016 eine Orientierungshilfe veröffentlicht, die sich auf die damals geltenden Gesetze bezieht; eine neuere Fassung der Datenschutzkonferenz gibt es nicht (Stand: September 2026). Ist private Nutzung verboten, darf der Arbeitgeber danach auf betriebliche E-Mails zugreifen, soweit es für betriebliche Zwecke erforderlich ist; erkennbar private E-Mails darf er nicht weiter lesen. Bei Abwesenheit gilt eine automatische Abwesenheitsnotiz als mildestes Mittel, eine Weiterleitung erst dann, wenn sie nicht ausreicht. Ist private Nutzung erlaubt, stufte die Orientierungshilfe den Arbeitgeber als Telekommunikationsanbieter ein: Zugriff auf das Postfach grundsätzlich nur mit vorher eingeholter Einwilligung, und nach ihrem Muster für eine Betriebsvereinbarung entfernen Beschäftigte ihre privaten E-Mails vor dem Ausscheiden selbst. Diese Einstufung ist inzwischen fraglich: Die Bundesnetzagentur erfasst Angebote zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem Hinweispapier vom Juli 2025 in der Regel nicht als Telekommunikationsdienst, auch wenn Beschäftigte den E-Mail-Dienst privat nutzen können.
Am saubersten ist eine schriftliche Regel, bevor der Fall eintritt: private Nutzung ja oder nein, und was mit dem Postfach beim Austritt geschieht. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung; ob und wie Sie im Einzelfall auf ein Postfach zugreifen dürfen, klären Ihr Datenschutzbeauftragter oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Dateien im OneDrive
Beim OneDrive kommt es auf die Reihenfolge an. Die Löschfrist beginnt erst, wenn das Konto gelöscht wird; das Sperren der Anmeldung oder das Entfernen der Lizenz startet sie nicht. Nicht lizenzierte OneDrive-Konten archiviert Microsoft allerdings am 93. Tag ohne Lizenz automatisch. Nach dem Löschen des Kontos erhält der im Profil eingetragene Vorgesetzte standardmäßig Zugriff und hat 30 Tage Zeit, die Dateien zu sichern; die Frist lässt sich im SharePoint Admin Center ändern. Einfacher ist es, die Übergabe vor dem letzten Tag zu erledigen: Dateien, die das Team braucht, gehören in eine gemeinsame Ablage und nicht in ein persönliches OneDrive.
Wer ist im Betrieb für Ein- und Austritte zuständig?
Die Checkliste nützt nur, wenn die IT rechtzeitig Bescheid bekommt. Legen Sie fest, wer einen Eintritt meldet, sobald der Vertrag unterschrieben ist, und wer einen Austritt meldet, sobald die Kündigung feststeht. Das BSI empfiehlt für den Weggang einen festen Ansprechpartner in der Personalabteilung; in kleinen Betrieben ist das meist die Geschäftsführung oder die Büroleitung.
- Eine Person verantwortlich: Eine Person hakt die Liste ab und bestätigt, dass alles erledigt ist, auch wenn andere einzelne Punkte umsetzen.
- Liste je Fall ablegen: Die abgehakte Liste mit Datum gehört in die Dokumentation. Wer später fragt, ob ein Konto wirklich gesperrt wurde, bekommt eine Antwort.
- Standard pflegen: Wenn ein neues Programm, ein neues Portal oder ein neues Gerät dazukommt, gehört es auf beide Listen.
Wer die Liste nicht selbst abarbeiten will, kann Ein- und Austritte an einen Dienstleister geben, etwa im Rahmen einer IT-Betreuung. Die rechtzeitige Meldung bleibt trotzdem Aufgabe des Betriebs: Ohne sie erfährt auch der Dienstleister nichts von einem Austritt.
Passende Leistung
IT-Betreuung & Managed Services
Ein- und Austritte übernehmen wir als Teil der Benutzer- und Rechteverwaltung, richten neue Arbeitsplätze nach festem Standard ein und legen alle Zugänge im gemeinsamen Passwort-Tresor ab.
Wir antworten innerhalb von 24 Stunden — 7 Tage die Woche, auch an Feiertagen.
Quellen und Stand
- Microsoft Learn — Konvertieren eines Benutzerpostfachs in ein freigegebenes Postfach
- Microsoft Learn — Aufbewahrung und Löschung in OneDrive
- BSI — IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein ORP.2 Personal (Edition 2023)
- Datenschutzkonferenz — Orientierungshilfe zur datenschutzgerechten Nutzung von E-Mail und anderen Internetdiensten am Arbeitsplatz (Stand Januar 2016)
- Bundesnetzagentur — Hinweispapier zur Einstufung von nummernunabhängigen interpersonellen Telekommunikationsdiensten (NI-ICS), Juli 2025
Stand der Angaben: . Preise, Fristen und Programme ändern sich; maßgeblich ist jeweils die verlinkte Quelle. Der Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Über den Autor
Felix Lange
Mitgründer und Geschäftsführer, Technik, Rentavo-Services
Verantwortlich für Architektur, Entwicklung und Qualitätssicherung. Baut die Systeme, die wir bei unseren Kunden betreiben — und betreibt sie auch selbst.
- ISTQB Certified Tester, Foundation Level 4.0
- Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung
- Studium Wirtschaftsingenieurwesen
Häufige Fragen
Die Kurzfassung zu den Fragen, die an dieser Stelle am häufigsten gestellt werden.
Sollen wir das Konto eines ausgeschiedenen Mitarbeiters löschen oder nur sperren?
Zuerst sperren. Löschen Sie das Konto erst, wenn Postfach und Dateien übergeben sind. Wird das Postfach als freigegebenes Postfach weitergeführt, darf das Benutzerkonto gar nicht gelöscht werden, weil es das Postfach verankert. Mit dem Löschen beginnt beim OneDrive die Aufbewahrungsfrist, nach deren Ablauf die Dateien entfernt werden.
Dürfen wir die E-Mails eines ausgeschiedenen Mitarbeiters lesen?
Das hängt vor allem davon ab, ob die private Nutzung des Postfachs erlaubt war und was dazu vereinbart ist. War sie verboten, darf der Arbeitgeber nach der Orientierungshilfe der Datenschutzaufsichtsbehörden von 2016 auf betriebliche E-Mails zugreifen, soweit es für betriebliche Zwecke erforderlich ist; erkennbar private E-Mails darf er nicht lesen. War sie erlaubt, verlangt die Orientierungshilfe grundsätzlich eine vorherige Einwilligung. Klären Sie den Einzelfall mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, bevor jemand das Postfach öffnet.
Wie lange sollte die alte E-Mail-Adresse erreichbar bleiben?
So lange, bis Kunden und Lieferanten die neue Ansprechperson kennen. Eine automatische Antwort, die auf die Nachfolge verweist, ist dafür das mildere Mittel als eine Weiterleitung aller E-Mails. Legen Sie ein Enddatum fest und schreiben Sie es in die Checkliste. Sonst läuft das Postfach unbemerkt weiter, und niemand weiß mehr, warum.
Was ist mit Zugängen, die auf den Namen des Mitarbeiters laufen?
Portale von Lieferanten, Herstellern oder Behörden sind oft auf eine Person registriert. Lassen Sie diese Konten vor dem letzten Tag auf die Nachfolge übertragen oder schließen und neu anlegen. Für die Zukunft gilt: Zugänge möglichst auf Funktionsadressen wie einkauf@ registrieren und im Passwort-Tresor dokumentieren, damit sie nicht an einer Person hängen.
Wann muss die IT von einem Eintritt oder Austritt erfahren?
Beim Eintritt, sobald der Vertrag unterschrieben ist: Gerät, Lizenz und Rechte brauchen Vorlauf, und ein Laptop lässt sich nicht am Morgen des ersten Tages beschaffen. Beim Austritt, sobald die Kündigung feststeht, damit Übergabe und Dokumentation in die verbleibende Zeit passen. Bei einer Freistellung zählt dagegen jede Stunde.
